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Meistertrainer Wiegert will nicht im Mittelpunkt stehen

Der Magdeburger Trainer Bennet Wiegert wird in der Mannschaftskabine mit Sekt bespritzt. Foto: Ronny Hartmann/dpa
Der Magdeburger Trainer Bennet Wiegert wird in der Mannschaftskabine mit Sekt bespritzt. Foto: Ronny Hartmann/dpa

Einen Personenkult lehnt Bennet Wiegert ab. Der Sohn der Handball-Legende Ingolf Wiegert hat nicht weniger Ehrgeiz als sein Papa. Nach dem Meistertitel mit dem SC Magdeburg müssen nun neue Ziele her.

Magdeburg (dpa) – Immer wieder deutete Bennet Wiegert mit beiden Zeigefingern auf sein Team, während die 6449 Fans frenetisch „Meistertrainer, Meistertrainer, hey hey“ skandierten.

Der Coach des Handball-Bundesligisten SC Magdeburg wischte sich dann die Tränen aus den Augen und hielt den Spielball fest in der Hand. „Wenn unser Kapitän Christian O’Sullivan sagt, Trainer nimm du ihn, dann mache ich das. Er bekommt sicher einen Platz in unserem Vereins- Trophäenschrank“, sagte Wiegert nach dem mühsamen 31:26-Sieg gegen HBW Balingen-Weilstetten und wurde nicht müde zu betonen, dass seine Mannschaft und nicht er im Vordergrund stehe.

Titel sei „Produkt langer harter Arbeit“

„Ich hätte mir eher „Meistermannschaft, Meistermannschaft“ gewünscht, weil das ein Mannschaftserfolg ist, zu dem ich meinen kleinen Beitrag geleistet habe. Jetzt leuchtet das Gefühl vom Cheftrainer ein bisschen, aber das ist nicht gerecht“, sagte der 40-Jährige, der das Team seit sieben Jahren Teil wie ein Puzzle zusammensetzte. „Das ist das Produkt langer harter Arbeit. Bennet hat sein Spielsystem reingedrückt, die Spieler verpflichtet, die er haben wollte. Ich bin froh, dass ich ein Teil davon bin“, lobte Nationalspieler Lukas Mertens.

So holte sich der SCM 7683 Tage nach dem ersten gesamtdeutschen Titelgewinn in der Vereinsgeschichte erneut die Schale, die es erst am 12. Juni beim letzten SCM-Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen gibt. Dann erfolgt auch der Empfang im Rathaus. 30 Siege in der Bundesliga reichten bei nur zwei Niederlagen, um Rekordmeister THW Kiel auf Distanz zu halten. „Es ist unbeschreiblich. Wir haben uns seit zehn Jahren Schritt für Schritt dahin gekämpft“, sagte Matthias Musche, der als Magdeburger Junge lange und innig den Cheftrainer umarmte. Beide gingen früher den Weg durch alle SCM-Teams.

Bier, Tanz, Gänsehaut

So auch Nationalspieler Philipp Weber, der mit einer Bierflasche in der Hand und Magnus Saugstrup im Arm ausgelassen über das Parkett tanzte, ehe er vom Dänen eine Sektfontäne aus der Magnum-Flasche abbekam. „Es ist unglaublich schön, in meinem erstem Jahr hier wieder in meiner Heimat, das ist Wahnsinn“, sagte Weber, der zwischenzeitlich in Leipzig und sich dort bis ins Nationalteam spielte. Er wurde in der Getec-Arena sogar von seiner Mutter überrascht, die erstmals mit in der Halle war. „Das ist unglaublich, sie war noch nie da“, sagte Weber und fügt ungläubig hinzu: „Schon wenn ich das ausspreche: deutscher Meister – bekomme ich Gänsehaut.“

Der zehnmalige DDR-Meister ist nun weiter gefordert. Nach dem Titelgewinn 2001 folgte der Champions-League-Triumph 2002. Diese Herausforderung wäre nun quasi der nächste Schritt der Elbestädter, die im Oktober beim IHF Super Globe gegen den FC Barcelona (33:28) die Club-WM gewannen. „Wir können jede Mannschaft der Welt schlagen. Jetzt können wir neue Ziele definieren, müssen wir vielleicht auch“, sagte SCM-Präsident Dirk Roswandowicz.

Wiegerts Antrieb

Trainer Wiegert, der seit Kindheitstagen in seinem Heimatclub nur „Benno“ gerufen wird – musste gestehen: „Als Spieler habe ich es nicht so wahrgenommen, jetzt fühlt es sich intensiver an.“ Der Sohn von Handball-Olympiasieger Ingolf Wiegert war als Spieler dabei, als der heutige Bundestrainer Alfred Gislason den SCM 2001 zur Meisterschaft führte. „Der Gedanke an die Meisterschaft hat mich immer getrieben. Dafür habe ich jeden Tag gearbeitet“, sagte Wiegert.

Vergleiche mit seinem Vater mag er nicht so. „Ich werde immer unter ihm stehen. Das ist mein ganzes Leben gefühlt schon so, und das ist auch nicht schlimm“, sagte er in einem Interview der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). „Während meiner ganzen Karriere hat mich das angetrieben und mir Energie gegeben. Das hat mich unglaublich getrieben. Aber ich musste mir dann irgendwann eingestehen, dass mir das nicht gelingt, weil sein Wirken sportlich einfach zu groß war.“

© dpa-infocom, dpa:220603-99-532249/5

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