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Schlappe für Biden: Republikaner neuer Gouverneur in Virginia

Glenn Youngkin, gewählter Gouverneur von Virginia, feiert seinen Wahlsieg bei einer Wahlparty, nachdem er den Demokraten McAuliffe besiegt hat. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
Glenn Youngkin, gewählter Gouverneur von Virginia, feiert seinen Wahlsieg bei einer Wahlparty, nachdem er den Demokraten McAuliffe besiegt hat. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Die Demokraten waren siegessicher – nun erleben sie ein Desaster. Ein Republikaner wird Gouverneur in Virginia. In New Jersey wird noch ausgezählt – es ist ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen.

Bittere Pille für US-Präsident Joe Biden: Bei der Gouverneur-Wahl im US-Bundesstaat Virginia hat Prognosen zufolge der republikanische Kandidat Glenn Youngkin gewonnen.

Er schlug den von Biden unterstützten Demokraten Terry McAuliffe knapp, wie in der Nacht zu Mittwoch aus übereinstimmenden Vorhersagen verschiedener Sender hervorging.

Die Wahl an der Ostküste galt ein Jahr vor den Kongresswahlen als wichtiger Stimmungstest. Bei der Gouverneurswahl im Bundesstaat New Jersey lagen der Kandidat der Republikaner und jener der Demokraten am Mittwochmorgen laut Prognosen fast gleichauf, ein endgültiges Ergebnis stand noch nicht fest. In New York setzte sich der Demokrat Eric Adams bei der Bürgermeisterwahl durch.

Von Trump unterstützt

Terry McAuliffe, demokratische Kandidat für die Gouverneurswahl in Virginia, gestikuliert bei einer Wahlkampfveranstaltung am Vorabend der Wahl. Foto: Brian Cahn/ZUMA Press Wire/dpa
Terry McAuliffe, demokratische Kandidat für die Gouverneurswahl in Virginia, gestikuliert bei einer Wahlkampfveranstaltung am Vorabend der Wahl. Foto: Brian Cahn/ZUMA Press Wire/dpa

Der 54 Jahre alte Youngkin wurde im Wahlkampf von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt – auch wenn er sich öffentlich eher von ihm distanzierte und sich auf gemäßigte Wählerinnen und Wähler konzentrierte.

Bereits vor der Wahl hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet, im Sommer lag allerdings der Demokrat McAuliffe noch vorn. Für die Republikaner ging es in Virginia auch um die Frage, ob sie bei gemäßigten Wechselwählern in ländlichen Gebieten punkten können.

Bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr konnte Biden in Virginia und New Jersey noch mühelos gewinnen. Der knappe Ausgang der Gouverneurswahlen ist ein Jahr vor den Zwischenwahlen ein Debakel für die Demokraten. Bei der Abstimmung im kommenden Jahr steht ihre hauchdünne Mehrheit im Kongress auf dem Spiel.

Trumps Republikaner wollen dann wieder die Kontrolle im Senat und im Repräsentantenhaus erobern. Die Abstimmung vor allem in Virginia gilt Beobachtern nach als Zeugnis für Bidens Politik, der seit knapp einem Jahr im Weißen Haus regiert. Seine Zustimmungswerte sind schlecht wie nie seit seinem Amtsantritt.

Flügelkämpfe bei den Demokraten

Er versucht seit langem erfolglos, zwei Investitionspakete durch den Kongress zu bringen. Joe Biden scheiterte damit aber bislang an Flügelkämpfen in seiner eigenen demokratischen Partei.

Davon, dass seine politische Leistung Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnte, wollte er hingegen nichts wissen. “Ich habe auch keine Beweise dafür gesehen, dass die Frage, ob ich gut oder schlecht abschneide, ob ich meine Agenda durchgesetzt habe oder nicht, irgendeinen wirklichen Einfluss auf Sieg oder Niederlage haben wird”, hatte er vor der Abstimmung gesagt.

Die vergangenen Monate waren von zahlreichen Rückschlägen für Joe Biden geprägt. Neben dem parteiinternen Streit um Bidens Investitionspakete ließ auch der chaotische Abzug aus Afghanistan den Präsidenten nicht gut dastehen. Die Corona-Pandemie machte dem Land weiter zu schaffen – im Sommer trieb die Delta-Variante die Zahlen in die Höhe.

Mit dem Impfen gegen das Corona-Virus geht es nur schleppend voran. Joe Biden setzt auf Impfpflicht in vielen Bereichen – ein Thema, das in den USA polarisiert. Auch der Wirtschaftsaufschwung läuft nur schleppend – hinzukommen Lieferengpässe infolge der Pandemie.

“Gefolgsmann von Trump”

Joe Biden versuchte nun besonders den republikanischen Kandidaten in Virginia mit Trump in Verbindung zu bringen. “Terry tritt gegen einen Gefolgsmann von Donald Trump an”, sagte Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arlington.

Auch McAuliffe versuchte, seinen politischen Gegner in die Nähe Trumps zu rücken und nannte ihn etwa “Trump in Khakihosen”. Noch kurz vor Schließung der Wahllokale hatte sich Biden siegessicher gegeben. “Wir werden gewinnen. Ich denke, wir werden in Virginia gewinnen”, hatte er beim Klimagipfel in Glasgow noch gesagt. Er landete etwa zeitgleich mit der Verkündung von Youngkins Sieg wieder in Washington.

Dabei hatte Republikaner Youngkin den demokratischen Kandidaten in Umfragen zuletzt sogar eingeholt. Der 64-jährige McAuliffe war von 2014 bis 2018 Gouverneur, Youngkin ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er bemühte sich, öffentlich Distanz zu Trump zu wahren.

Der Republikaner präsentierte sich als vorbildlicher Vorstadtvater und machte etwa Bildung zum Thema. Er setzte sich für einen größeren Einfluss von Eltern auf Lehrinhalte ein. In seiner Siegesrede versprach er, Virginia von Tag eins an zu verändern. Dabei zeichnete er ein Bild von Politikern, die sich nur selbst bereichern wollten. Das ändere sich nun mit ihm.

Furcht vor Nichtwählern

Die Demokraten befürchteten bei den jetzigen Wahlen vor allem, dass viele ihrer Anhänger nicht zur Wahl gingen, weil Trump als Schreckensgespenst nicht mehr im Amt ist. Auch deshalb dürften sie versucht haben, Trump immer wieder zum Thema zu machen.

In der Metropole New York siegte am Dienstagabend wenig überraschend der Demokrat Eric Adams bei der Bürgermeisterwahl. Adams galt als moderater Kandidat, der das Amt mit einem Kurs zwischen linken und zentristischen Kräften führen will.

In Minneapolis wurde eine vor allem von Demokraten unterstützte Initiative zur Abschaffung der Polizeibehörde in ihrer jetzigen Form dagegen abgelehnt. Seit dem brutalen Tod des Afroamerikaners George Floyd spaltet die Debatte über den Umgang mit der Polizei die USA.

Wie groß die Aussagekraft der Wahlergebnisse in Virginia und New Jersey ist, ist allerdings offen. Nach der Wahl von Trump zum Präsidenten im Jahr 2016 gewannen Demokraten die Gouverneursämter in Virginia und New Jersey. Die Republikaner gewannen in beiden Staaten hingegen bei den Gouverneurswahlen nach der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten 2008.

In Virginia ist es Gouverneuren nicht erlaubt, für zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten zu kandidieren. Sie können aber – wie McAuliffe – später ein zweites Mal antreten. Derzeit hat der Demokrat Ralph Northam das Gouverneursamt inne. Der Bundesstaat grenzt an die US-Hauptstadt Washington an.

© dpa-infocom, dpa:211103-99-841562/10

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