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Hitzewelle in Südeuropa: Viele Waldbrände wüten

Ein Flächenbrand wütet in der Nähe von Landiras im Südwesten Frankreichs. Foto: Uncredited/Service Communication-Protocole SDIS 33/AP/dpa
Ein Flächenbrand wütet in der Nähe von Landiras im Südwesten Frankreichs. Foto: Uncredited/Service Communication-Protocole SDIS 33/AP/dpa

Die Temperaturen in Italien, Spanien und Frankreich klettern auf Spitzenwerte – die Trockenheit tut ihr Übriges: Feuerwehrkräfte sind im Dauereinsatz. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Rom/Athen/Paris/Lissabon/Bozen (dpa) – In den südeuropäischen Urlaubsländern brechen immer mehr Brände in den ausgetrockneten Wäldern aus. Das Problem verschärft sich zusehends, gleichzeitig werden in Italien und Frankreich in den kommenden Tagen Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet.

Auf der Ferieninsel Sizilien gilt am Donnerstag in weiten Teilen noch immer eine erhöhte Waldbrand-Warnstufe, ebenso wie auf Sardinien. Zuletzt waren Feuerwehrkräfte immer wieder zu Wald- und Buschbränden ausgerückt, etwa in Südtirol, der Toskana sowie in und um Rom. In Frankreich kämpfte die Feuerwehr an der Atlantikküste weiter gegen einen großflächigen Waldbrand in den Pinienwäldern südlich von Bordeaux.

Hitze und Feuer von Spanien bis Griechenland

In Italien herrscht seit Wochen eine extreme Dürre. In fünf nördlichen Regionen entlang des Flusses Po verhängte die Regierung wegen der Trockenheit bereits den Notstand. Weitere Regionen könnten folgen, wie Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli am Mittwochabend im Parlament sagte. In Frankreich erwarten Meteorologen bis Ende Juli einen Dürrerekord. Zwar hatte es in der zweiten Junihälfte vielerorts Unwetter mit viel Regen gegeben, doch der Effekt ist weitgehend verflogen – und die Böden trocknen wieder aus.

In Spanien finden Ventilatoren reißenden Absatz: So kletterten in Bilbao im Norden des Landes die Verkaufszahlen nach Medienberichten um mehr als 50 Prozent in die Höhe. In 16 der insgesamt 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens sollte am Donnerstag weiterhin Hitzealarm gelten, in fünf dieser Regionen teilweise sogar Alarmstufe Rot.

Auf der griechischen Insel Samos wurden am Mittwochabend wegen eines außer Kontrolle geratenen Waldbrandes mehrere Ortschaften evakuiert. Vor der Küste der Insel stürzte ein Löschhubschrauber aus niedriger Höhe ins Meer, als die Besatzung Wasser zur Brandbekämpfung aufnehmen wollte. Zwei Insassen kamen ums Leben, der Pilot wurde später schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein zunächst vermisster vierter Insasse sei an Land geschwommen, teilte die griechische Küstenwache mit. Warum der Hubschrauber abstürzte, war zunächst unklar.

Portugal: „Das ganze Land brennt“

Im beliebten Urlaubsland Portugal gönnen zahlreiche Waldbrände vielen Einwohnern und Einsatzkräften keine Atempause. Am Donnerstag waren in verschiedenen Teilen des Landes elf größere Feuer aktiv, wie der Zivilschutz (ANEPC) mitteilte. Insgesamt kämpften rund 1900 Einsatzkräfte gegen die Brände. Brände in Aveiro im Norden und in Leiria im Zentrum des Landes, in Setúbal, etwa 50 Kilometer südlich von Lissabon, sowie in Faro im Süden bereiteten demnach die größten Sorgen.

„Das ganze Land brennt“, titelte die Zeitung „Jornal de Notícias“.
Der seit Montag in ganz Portugal geltende dritthöchste Notstand („Estado de contingência“) werde bis inklusive Sonntag verlängert, gab Ministerpräsident António Costa am Donnerstag bekannt. Derzeit herrscht auch eine Hitzewelle, die Mittwoch bis zu 45 Grad führte.

Was bedeutet der Notstand auch für Touristen? Man darf zum Beispiel im Wald keine Lagerfeuer anzünden. Der Aufenthalt in Wäldern ist beschränkt. Auch Feuerwerk darf nicht abgebrannt werden.
Neben einer seit Monaten andauernden Dürre wird die Ausbreitung der Brände laut ANEPC zum Teil auch von starkem Wind begünstigt. Nicht wenige Brände seien aber fahrlässig oder vorsätzlich gelegt worden, versicherten die Behörden. Es habe bereits Festnahmen gegeben.

Brände unter Kontrolle

Der Waldbrand in Kroatien nahe der dalmatinischen Stadt Sibenik ist dagegen weitgehend unter Kontrolle. Die Brandherde an der sogenannten Krka-Riviera breiten sich nicht mehr unkontrolliert aus und sind eingegrenzt, wie der Zivilschutz in Sibenik mitteilte. Zugleich sind in den betroffenen Gebiete große Schäden zu beklagen.

Der Brand, der 24 Stunden zuvor ausgebrochen war, zerstörte den Angaben zufolge in den Gemeindegebieten von Vodice, Zaton und Raslina rund 3000 Hektar an Vegetation. Darunter sind Laub- und Nadelbäume, Gebüsch und Wiesen, aber auch Weinstöcke und Olivenbäume.

In Zaton und Raslina brannten mindestens 20 Häuser ab. Die Bewohner dieser beiden Dörfer hatten die Behörden am Mittwoch mit Booten über die Stubalj-Bucht in Sicherheit gebracht.

Auch die Waldbrände in der Türkei sind unter Kontrolle. Auf der Halbinsel Datca im Südwesten des Landes kühlten Einsatzkräfte die Gegend nun ab, sagte Forstminister Vahit Kirisci am Donnerstag. Insgesamt seien etwa 700 Hektar verbrannt – das entspricht einer Fläche von fast 1000 Fußballfeldern. Darunter seien Waldgebiete und landwirtschaftliche Flächen, so Kirisci. Ein Feuer in der westlichen Provinz Izmir ist schon seit Mittwoch unter Kontrolle.

Der Brand auf der auch bei Urlaubern beliebten Halbinsel Datca war am Mittwoch ausgebrochen. Mehr als 3500 Menschen mussten ihre Häuser nach offiziellen Angaben vorübergehend verlassen.

Sorge in Südtirol

Die Regierung in Südtirol im Norden Italiens hat in diesem Jahr bereits deutlich mehr Waldbrände als üblich verzeichnet. „Während in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich um die 20 Waldbrände pro Jahr verzeichnet wurden, waren es heuer schon über 40“, sagte der Landesrat für Forstwirtschaft, Arnold Schuler, am Donnerstag in Bozen. Die Feuerwehren kämpften teilweise mit Löschhubschraubern gegen die Flammen.

Schuler mahnte zur Vorsicht: Ein Viertel der Waldbrände in diesem Jahr seien vermutlich von Zigarettenstummeln verursacht worden. In Südtirol herrsche teilweise extreme Waldbrandgefahr, weil es wenig geregnet habe. Geschädigte Ökosysteme brauchen ihm zufolge Jahre, um sich zu erholen.

Das Wetter in Deutschland

Viel Sonne und vereinzelt auch Gewitter: In vielen Teilen Deutschlands können sich die Menschen heute auf sommerliche Temperaturen und reichlich Sonne einstellen. Besonders heiß wird es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) im Süden, im Breisgau kann es bis zu 35 Grad heiß werden. Weniger warm wird es im Norden mit Höchstwerten zwischen 18 und 21 Grad, im Rest des Landes sind 22 bis 28 Grad zu erwarten.

Allgemein sieht die Prognose von Nordrhein-Westfalen bis nach Brandenburg viel Sonnenschein voraus. In Küstennähe und den östlichen Mittelgebirgen kann es zu einzelnen Schauern und kurzen Gewittern kommen. In Bayern kann es den Meteorologen zufolge lokal auch kräftige Gewitter geben. Abends wird es landesweit kühler bei Tiefstwerten von 8 bis 17 Grad.

Der Freitag gibt landesweit erst einmal ein wenig kühlere Temperaturen wobei es aber sommerlich und meist trocken bleibt. Im Norden liegen die Höchstwerte bei 22, in der Mitte bei 25 und im Süden bei 30 Grad. Vereinzelte Schauer kann es an den Küsten geben. An den Temperaturen ändert sich dann auch am Wochenende weitestgehend nichts.

Hitze bringt die neue Woche dann wieder: Laut dem 10-Tage-Ausblick des Deutschen Wetterdienstes sind am Dienstag und Mittwoch an manchen Orten Spitzentemperaturen von über 35 Grad möglich.

© dpa-infocom, dpa:220714-99-15464/14

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