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Zahl wetterbedingter Katastrophen steigt rasant

In langen Schlangen warten hungernde Äthiopier im Jahr 1983 auf Lebensmittel. Das Land litt damals unter einer jahrelangen Dürre. Foto: Lehtikuva Oy/dpa
In langen Schlangen warten hungernde Äthiopier im Jahr 1983 auf Lebensmittel. Das Land litt damals unter einer jahrelangen Dürre. Foto: Lehtikuva Oy/dpa

Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren: Die Zahl solcher Katastrophen steigt seit den 1970er Jahren rasant. Grund ist der Klimawandel. Die teuerste Katastrophe aller Zeiten war Hurrikan “Katrina” 2005.

Genf (dpa) – Die Zahl der wetter- oder klimabedingten Katastrophen ist seit 1970 deutlich gestiegen. Zwischen 2000 und 2009 waren es fünf Mal so viele wie in den 70er Jahren, wie die Weltwetterorganisation (WMO) am Mittwoch in Genf berichtete. Stürme und Überschwemmungen machen fast 80 Prozent dieser Katastrophen aus.

Hurrikan “Ida”, der gerade über die Südküste der USA fegte, könnte die teuerste derartige Katastrophe aller Zeiten werden, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Es sei aber noch zu früh, um das Ausmaß der Schäden zu benennen. Bislang ist das Hurrikan “Katrina”, der 2005 New Orleans und Umgebung in den USA verwüstet und Schäden von knapp 164 Milliarden Dollar (rund 139 Mrd. Euro) verursacht hat.

Bei dem Hochwasser im Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz entstanden nach Schätzungen Versicherungsschäden von rund sieben Milliarden Euro. 180 Menschen kamen ums Leben.

Insgesamt wurden von 1970 bis 2019 rund 11 000 Katastrophen gemeldet. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Es entstanden Schäden in Höhe von 3,6 Billionen Dollar (inflationsbereinigt, rund drei Billionen Euro). Die Zahl der wetterbedingten Katastrophen pro Jahrzehnt stieg von 711 (1970-1979) auf 3536 (2000 bis 2009). Von 2010 bis 2019 wurden 3165 Katastrophen registriert.

Die WMO hat Daten etwa zu Stürmen, Überschwemmungen, Dürren oder extremen Hitzeereignissen und Waldbränden ausgewertet. Sie machen etwa die Hälfte aller Naturkatastrophen und 45 Prozent der Todesopfer aus. Nicht berücksichtigt sind etwa Erdbeben oder Vulkanausbrüche.

Solche Katastrophen werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver. “Das bedeutet mehr Hitzewellen, Dürren, Waldbrände wie wir sie jüngst in Europa und Nordamerika gesehen haben”, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. “Wir haben mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, was extreme Regenfälle und tödliche Überschwemmungen verstärkt. Die Erwärmung der Ozeane hat die Häufigkeit und geografische Lage der stärksten tropischen Stürme beeinflusst.”

Während die Katastrophen mit den größten Schäden wegen der dichten Besiedelung und relativ teuren Infrastruktur in den USA passierten, beklagten Entwicklungsländern 91 Prozent der Todesopfer. Die sechs teuersten Katastrophen passierten in den USA: Neben “Katrina” 2005 waren das etwa Hurrikan “Harvey” 2017 (97 Milliarden Dollar) und Hurrikan “Maria” im gleichen Jahr (70 Milliarden Dollar).

Nach Opfern waren die schlimmsten Katastrophen der vergangenen 50 Jahre die Dürre 1983 in Äthiopien und Zyklon “Bhola” 1970 in Bangladesch mit geschätzt jeweils rund 300 000 Toten. Unter den zehn Katastrophen mit den meisten Todesopfern sind auch die Dürre im Sudan 1983 (150 000 Todesopfer), Zyklon “Gorky” 1991 in Bangladesch (knapp 139 000 Opfer) und Zyklon “Nargis” in Myanmar 2008 (138 000 Opfer).

Laut WMO-Statistik ist die Zahl der wetterbedingten Katastrophen von 2010 bis 2019 gegenüber dem Jahrzehnt davor zurückgegangen, von 3536 auf 3165. Der Rückgang liege an der Größenklassifizierung durch die Universität Löwen in Belgien, die das Katastrophen-Register führt, sagte WMO-Chef Taalas. Wenn die Schwelle niedriger angesetzt werde, sei deutlich, dass die Zahl kontinuierlich steige.

Die WMO und die Vereinten Nationen insgesamt unterstützen Länder beim Aufbau von Frühwarnsystemen. In diesem Bereich müsse aber mehr investiert werden. Weil heute mehr Menschen in mehr Ländern frühzeitig vor nahenden Unwettern gewarnt werden können, sei die Zahl der Todesopfer deutlich zurückgegangen. In den 70er Jahren waren es insgesamt 55 600 Tote, von 2010 bis 2019 waren es 18 500.

© dpa-infocom, dpa:210901-99-47472/5



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