Gesellschaft Kommentar

Kommentar – Organspende: Ein pragmatischer Blick

Organspendeausweis Christian Ciemalla
Organspendeausweis Christian Ciemalla

Vor ein paar Jahren führte ich ein interessantes Gespräch mit einem Teil der befreundeten Ärzteschaft. Nach dem Vergabeskandal ging es um die Bereitschaft zur Organspende, in dessen Folge es zu einem Rückgang von 11,6 Prozent kam. Für mich aber ist auch grundsätzlich selbst der damalige Vergabeskandal keine Begründung gegen eine Spende – zumindest nicht bei einer pragmatischen Betrachtung.

Als ich mir ernsthaft Gedanken über das Thema Organspende machte, war passenderweise „Allerheiligen“, ein Tag, an dem nicht nur in der katholischen Kirche der Verstorbenen gedacht wird. Ein Hochfest, an dem „aller Heiligen gedacht wird – auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden −, sowie der vielen Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott“, definiert wikipedia.de.

Und dieser 1. November 2012 war vor nunmehr acht Jahren auch ein Tag, an dem der Tod aufgrund einer Gesetzesänderung zum Thema Organspende in den Medien ein Thema war – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. So auch heute bei einem auf infowelt.news erschienen Bericht einer Betroffenen, so dass ich mich an die damaligen Überlegungen erinnerte.

Zunächst vielleicht zur Organspende allgemein: Ich habe rund um den Jahrtausendwechsel erstmals ernsthaft über diese katholischen Vorstellung, doch irgendwie gerne komplett bestattet zu werden, nachgedacht. Im Zuge der zunehmenden Verabschiedung von Dogmen, stellte ich mir selbst Fragen: War ich wirklich der Meinung, dass mir nach dem Tod etwas fehlt, wenn mir ein Organ entnommen wird? Und, selbst aus der religiösen Sicht: Ist der Aufenthalt in einem Himmel wünschenswert, in dem sich eine Organspende negativ auswirkt?

Wenn ich dereinst tot bin, nehmt, was ihr gebrauchen könnt.

Ich will all die einschlägigen Argumente für eine Organspende gar nicht weiter ausführen und auch auf die Demontage zahlreicher vermeintlicher Gegenargumente an dieser Stelle verzichten.

Ich überlegte damals noch kurz, ob ich eventuell meine Augen behalten möchte. Schließlich können Ausnahmen im Organspendeausweis einfach angekreuzt werden. Aber einen Grund fand ich dafür nicht, stattdessen stand und steht für mich fest: “Wenn ich dereinst tot bin, nehmt, was ihr gebrauchen könnt.”

Und aus dieser pragmatischen Sichtweise heraus verstand ich damals auch nicht, warum ein Vergabeskandal etwas an der Spendebereitschaft ändern sollte. Zum einen ist der Prozentsatz des Mißbrauchs verschwindend gering und selbst in den schlimmsten der bekannt gewordenen Fälle kamen die gespendeten Organe immer noch Menschen zu Gute und retteten Leben – allerdings eben nicht diejenigen, die in der Vergabeliste aufgrund entsprechender Kriterien weiter oben standen.

Aber, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit hoch wäre, dass die Organe nicht dem richtigen oder vielleicht gar keinem Menschen zu Gute kommen würden – wäre nicht auch ein Wert von 10 oder 1 oder auch 0,1 Prozent ausreichend?

Im Vergleich zu dem Nutzen, den meine Organe nach meinem Tod noch für mich haben: Mir würde eine Wahrscheinlichkeit, mit 0,1 Prozent ein Leben zu retten, vollends ausreichen. Also, was spricht dagegen?

➡️ Antrag für einen Organspendeausweis (kostenfrei)

Zum Thema:

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