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Griechen kämpfen verzweifelt um Rettung ihrer Dörfer

Flammen nähern sich dem Dorf Gouves auf Euböa. Die Brände auf der griechischen Insel breiten sich weiter unkontrolliert aus. Foto: Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA Press Wire/dpa
Flammen nähern sich dem Dorf Gouves auf Euböa. Die Brände auf der griechischen Insel breiten sich weiter unkontrolliert aus. Foto: Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA Press Wire/dpa

Italien, Griechenland und die Türkei kämpfen weiter gegen zahllose unkontrollierte Waldbrände. Vielerorts spielen sich dramatische Szenen ab. Zugleich beginnt die nächste Hitzewelle.

In einem gewaltigen Kraftakt haben Anwohner auf der griechischen Insel Euböa in der Nacht zum Montag gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Freiwilligen mehrere Dörfer vor dem Übergreifen der Flammen bewahrt.

Zwar seien am Rande von Ortschaften wie Artemisio, Gouves und Pefki Häuser niedergebrannt, die Ortskerne seien bisher jedoch intakt, berichtete die Zeitung “Kathimerini”. Weiterhin seien aber viele Ortschaften von Flammen umzingelt.

Obwohl die Feuerwand sich schon am Sonntagnachmittag auf die Dörfer zubewegt hatte, gab es nach Angaben der Bewohner in manchen Gegenden kaum oder keine Unterstützung aus der Luft.

Der griechische Zivilschutzchef Nikos Chardalias begründete das am Abend mit den schlechten Bedingungen – die extrem starke Rauchentwicklung habe die Sicht derart eingeschränkt, dass manche Einsätze unmöglich gewesen seien.

Am Montagmorgen zeigten Satellitenbilder im Norden der Insel etwas weniger Brandherde als noch am Sonntag – mutmaßlich, weil der meiste Wald mittlerweile verbrannt ist und die Flammen kein Futter mehr finden, wie der Fernsehsender Skai berichtete.

Zum Ausmaß der Schäden gibt es bisher unterschiedliche Angaben, Übereinstimmung herrscht einzig darin, dass sie gewaltig sind. Mehrere griechische Medien nannten eine Fläche von 50.000 Hektar.

Evakuierungen in Italien

Foto der italienischen Feuerwehr: Angesichts der sich nähernden Flammen wurden in Campomarino Lido mehr als 400 Menschen aus den Häusern geholt. Foto: -/Vigili del Fuoco/dpa
Foto der italienischen Feuerwehr: Angesichts der sich nähernden Flammen wurden in Campomarino Lido mehr als 400 Menschen aus den Häusern geholt. Foto: -/Vigili del Fuoco/dpa

In Italien wurden am Sonntagabend wegen Bränden rund um die italienische Adria-Gemeinde Campomarino mehr als 400 Menschen aus ihren Unterkünften geholt.

Die Behörden evakuierten Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser im Ortsteil Campomarino Lido am Meer. Auf einem Video der Feuerwehr war zu sehen, wie dichter Qualm durch die Straßen zog und sich Flammen durch Büsche bis zu einem Café durchfraßen.

Die italienische Zivilschutzbehörde entsendet außerdem Verstärkung in die stark von Waldbränden betroffene Region Kalabrien. Dort brannte es unter anderem im Nationalpark Aspromonte.

Türkei: 150.000 Hektar Land verbrannt

In der Türkei wurden noch fünf unkontrollierte Waldbrände gezählt. Im südwesttürkischen Mugla kämpften Einsatzkräfte und freiwillige Helfer weiter gegen die Flammen.

Das Ausmaß der Schäden wird immer größer. Landesweit wurden laut Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität, schätzungsweise mehr als 150.000 Hektar Land verbrannt, darunter Wald, Feld, Wiesen und ganze Dörfer – eine Fläche mehr als doppelt so groß wie der Bodensee.

Neue Hitzewelle kommt

Freiwillige Helfer schlagen in Griechenland mit Zweigen auf die Flammen eines Waldbrandes ein. Foto: Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA Press Wire/dpa
Freiwillige Helfer schlagen in Griechenland mit Zweigen auf die Flammen eines Waldbrandes ein. Foto: Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA Press Wire/dpa

Das Wetter erschwert die Situation in den kommenden Tagen zusätzlich: Von Montag an beginnt in Südeuropa eine neue Hitzewelle, bei der die Temperaturen vielerorts auf über 40 Grad steigen.

Hitzewellen werden auch Thema beim Weltklimarat (IPCC) sein, der heute seinen neuen Bericht über den Wissenstand zur Klimaerwärmung vorlegt. Er will damit letzte Zweifel an der Verantwortung des Menschen für den Klimawandel ausräumen.

In dem Bericht von 234 internationalen Experten geht es unter anderem um die Gefahr von Extremereignissen wie den jüngsten Hitzeperioden in Griechenland und der Türkei und den Überschwemmungen in Deutschland.

© dpa-infocom, dpa:210809-99-773201/9


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