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Schnelltest-Studie: Virologe Oliver Keppler kritisiert Paul-Ehrlich-Institut

Ein positiver Corona-Schnelltest (l.) neben einem Corona-Schnelltest, der schwach eine positive Linie hat. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ein positiver Corona-Schnelltest (l.) neben einem Corona-Schnelltest, der schwach eine positive Linie hat. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht Resultate zur Zuverlässigkeit von Corona-Schnelltests – und erntet heftige Kritik von Virologe Oliver Keppler. Die Studie genüge wissenschaftlichen Mindeststandards nicht, bemängelt der Leiter der Virologie an der Münchner Ludwig Maximilians-Universität.

Der Münchner Virologe Oliver Keppler hält die günstige Bewertung der Corona-Schnelltests durch eine Studie des bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für falsch.

Der Leiter der Virologie an der Münchner Ludwig Maximilians-Universität (LMU) wirft den Studienautoren des PEI vor, dass die Arbeit wissenschaftlichen Standards nicht genüge.

Oliver Keppler kritisiert unter anderem, dass die Zahl der Proben für eine verlässliche Studie viel zu gering gewesen sei. Das im hessischen Langen sitzende PEI wies die Kritik zurück.

Das Paul-Ehrlich-Institut war in der vorige Woche veröffentlichten Studie zu dem Schluss gekommen, dass 20 untersuchte Antigen-Schnelltests die Omikron- und die Delta-Varianten des Corona-Erregers vergleichbar zuverlässig erkennen. Das widersprach den Ergebnissen einer Münchner Studie ebenso wie einer Untersuchung der Universitätskliniken Genf.

„Es wurde eine viel zu kleine Zahl an respiratorischen Proben pro Virusvariante untersucht, nämlich 4, verglichen mit 50 bis 100 in den meisten internationalen Studien“, schreibt Oliver Keppler in seiner Bewertung der PEI-Studie. Die PEI-Daten erfüllten wissenschaftliche Mindeststandards nicht und seien daher nicht aussagekräftig.

„Für solche Untersuchungen braucht es ausreichend große Probensets, um statistische Vergleichbarkeit zu erzielen“, heißt es in Kepplers Stellungnahme. Darüber hinaus seien weitere Untersuchungen mit in Zellkulturen expandierten Virusvarianten durchgeführt worden, obwohl die klinische Aussagekraft dieser Methode mittlerweile stark bezweifelt werde.

„In der Aussagekraft fraglich“

„Die vielen Alltagsberichte von mehrfach falsch-negativen Antigenschnelltests selbst bei symptomatischen Menschen, bei denen dann erst Tage später per PCR Covid-19 diagnostiziert wird, sollten uns allen zu denken geben“, schrieb Oliver Keppler.

Der Virologe kritisierte das PEI scharf: „Für eine mit Millionen durch den Bund geförderte Bundesbehörde, deren genuine Aufgabe und Verantwortung es ist, diese Fragen fundiert und verlässlich für das Pandemiemanagement in unserem Land zu klären, ist dies fast vier Monate nach Erstbeschreibung von Omikronfällen in Deutschland viel zu spät, inhaltlich dünn und in der Aussagekraft fraglich.“

Das Paul-Ehrlich-Institut wies die Vorwürfe zurück: „Die wissenschaftlichen Arbeiten des Paul-Ehrlich-Instituts erfüllen die hohen Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten, die Ergebnisse werden in anerkannten wissenschaftlichen Journals publiziert und dort einer unabhängigen Begutachtung durch andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzogen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Demnach wurden für die Untersuchung des Paul-Ehrlich-Instituts zusätzlich zu einer zurückliegenden umfassenden Evaluierung mit 50 Proben „nun für die Omikron-Variante 10 ausgewählte Proben bekannter Konzentration, für die Delta-Variante 4 und für die Wuhan-Variante 6 charakterisierte Proben eingesetzt“.

Die meisten Tests nutzten für die Feststellung des Erregers Zielregionen innerhalb des Nukleokapsidproteins, „die von einer der Omikron-Mutationen nicht betroffen sind, so dass es theoretisch für viele Tests keine Grundlage für einen verminderten Omikron-Nachweis gibt“, antwortete das Paul-Ehrlich-Institut auf die Kritik des Virologen Oliver Keppler an der Schnelltest-Studie.

© dpa-infocom, dpa:220330-99-725580/3

weiterführende Informationen:
➡️ Studie von Keppler et al. (2022)
➡️
PEI zu Schnelltests bei Omikron
➡️
neue Testverordnung
➡️ weitere News rund um das Thema Corona



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