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Letzter „Strohhalm“ Bayern: Arminia taumelt Richtung Abstieg

Bielefelds Torhüter Stefan Ortega Moreno (M) und seine Teamkollegen stehen vor der Fankurve. Links Bielefelds Manuel Prietl, rechts Bielefelds Nathan de Medina. Foto: Bernd Thissen/dpa
Bielefelds Torhüter Stefan Ortega Moreno (M) und seine Teamkollegen stehen vor der Fankurve. Links Bielefelds Manuel Prietl, rechts Bielefelds Nathan de Medina. Foto: Bernd Thissen/dpa

Arminia Bielefeld erleidet in Bochum den nächsten Rückschlag und könnte schon am 9. Mai als Absteiger feststehen. Auch ein Trainerwechsel bringt nicht die Wende. Die Ostwestfalen sind nun Bayern-Fans.

So richtig schienen die Spieler von Arminia Bielefeld auch nicht mehr an den Klassenerhalt zu glauben. Zehn Spiele ohne Sieg in Serie, offensiv extrem harmlos: Die Arminia taumelt auf die 2. Fußball-Bundesliga zu.

„Man muss im Leben immer bis zum Schluss durchhalten“, sagte Kapitän Manuel Prietl nach der 1:2-Niederlage beim VfL Bochum zwar. Der 30-Jährige fühlte aber auch „pure Enttäuschung“ und „Leere“.

Schon am 9. Mai könnte der Abstieg auch rechnerisch feststehen – nämlich dann, wenn der VfB Stuttgart beim bereits als Meister feststehenden FC Bayern München gewinnt.

Auch bei einem Remis wäre ein weiteres Bielefelder Erstligajahr höchst unwahrscheinlich. Der VfB auf dem Relegationsplatz hätte dann drei Punkte mehr als der Vorletzte Bielefeld. Zudem haben die Schwaben die um sieben Treffer bessere Tordifferenz.

„Wir hoffen, dass sie uns ein bisschen Schützenhilfe geben“, sagte Offensivmann Patrick Wimmer beim Streamingdienst DAZN mit Blick auf die Bayern. Wirklich hoffnungsvoll wirkte jedoch auch der 20-Jährige nicht, der im Sommer zum VfL Wolfsburg wechselt.

„Keine Durchschlagskraft nach vorne“

Minutenlang verharrten die Arminia-Fußballer nach der Niederlage am Freitagabend mit gesenkten Köpfen im Mittelkreis des Ruhrstadions. Als sie anschließend vor die eigenen Fans traten, schlug ihnen Wut entgegen. Einige Anhänger feuerten das Team verzweifelt an. „Ich kann auch die Fans verstehen“, sagte Prietl.

Wie so oft in dieser Saison kämpften die Bielefelder zwar, fußballerisch war es aber einfach zu wenig. „Ich glaube, dass auch die Psyche die Physis ein bisschen beeinflusst hat“, sagte Interimstrainer Marco Kostmann. Auch unter dem 56-Jährigen, der die Mannschaft nach der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern am 30. Spieltag von Frank Kramer übernommen hatte, blieb die Wende aus.

Im schwarz-weiß-blauen Vereinspullover fieberte Kostmann stehend an der Seitenlinie mit. Er gab Anweisungen, brachte schon zur Pause einen frischen Stürmer. Es half alles nichts.

Am späten Abend wirkte er in den Stadion-Katakomben erschöpft und ein wenig desillusioniert. Ausreden suchte er nicht. „Die Bundesligatabelle lügt nicht so kurz vor Saisonende“, sagte Kostmann. „So war heute auch das Spiel: Keine Durchschlagskraft nach vorne.“ 26 Tore hat die Arminia in 33 Partien erzielt. Kein Konkurrent traf seltener.

Der entscheidende Treffer war ein Eigentor

Es wirkte wie ein Spiegelbild der Saison, dass der entscheidende Treffer ein Eigentor von George Bello in der 89. Minute war. „Es ist einfach scheiße gelaufen“, sagte Prietl.

Diese Aussagen könnte auch für die ganze Spielzeit gelten. Neben zahlreichen wenig überzeugenden Auftritten hatte die Arminia auch viel Pech. Immer wieder verletzten sich Leistungsträger. Im Saisonendspurt muss Bielefeld unter anderen ohne Club-Rekordtorjäger Fabian Klos auskommen.

„Dass die anderen verlieren, ist der letzte Strohhalm, den wir haben“, sagte Prietl nun. Am letzten Spieltag empfängt die Arminia am kommenden Samstag RB Leipzig. „Wir müssen noch mal alle Kräfte mobilisieren. Wir haben eine winzige Chance“, sagte Prietl. Trainer Kostmann stellte allerdings auch fest: „Abhängigkeit ist natürlich großer Mist.“

© dpa-infocom, dpa:220507-99-191707/4


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