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Psychische Gesundheit: Hoher Leistungsdruck in Orchestern

Jeder Ton muss sitzen: Nach Ansicht der Deutschen Orchestervereinigung herrscht in professionellen Orchestern ein enormer Leistungsdruck, der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann. Foto: Marcus Brandt/dpa/Illustration
Jeder Ton muss sitzen: Nach Ansicht der Deutschen Orchestervereinigung herrscht in professionellen Orchestern ein enormer Leistungsdruck, der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann. Foto: Marcus Brandt/dpa/Illustration

Perfekt “orchestriert”: Nicht umsonst ist die Formulierung an die Musik angelehnt. Ein Ton soll zum anderen passen, jedes Instrument sich makellos in das Gesamtwerk einfügen. Doch dieser Anspruch kann gravierende gesundheitliche Folgen haben.

Professionelle Musikensembles in Deutschland tun nach Ansicht der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) noch zu wenig für die psychische Gesundheit ihrer Musiker.

Explizite Angebote seien nach wie vor eher die Ausnahme, sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens der Deutschen Presse-Agentur in München.

Anlass ist die Ausstrahlung des ARD-Krimis “Tatort: Dreams” am 7. November um 20.15 Uhr. Zwei junge Musikerinnen in München versuchen darin, ihre Musikalität durch bewusstes Klarträumen zu steigern. Ein Grund dafür sind auch Druck und extrem große Erwartungen.

Patzer im Konzert gleicht verschossenem Elfmeter

Mertens hält den Leistungsdruck in Orchestern für sehr hoch, vor allem mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen.

“Die wechselseitige Kontrolle untereinander im täglichen Proben- und Aufführungsbetrieb, der Pultnachbarn untereinander, innerhalb einer Stimmgruppe, aber auch im gesamten Orchester ist sehr groß.”

Er vergleicht einen Patzer im Konzert mit einem verschossenen Elfmeter beim Fußball. “Ein nicht ganz auf den Punkt gespielter Einsatz oder ein “Kickser” bei Blechbläsern fällt auf das betreffende Orchestermitglied, die gesamte Stimmgruppe und letztlich das gesamte Orchester zurück.”

Mit Corona tun sich neue Gräben im Orchester auf

Auch die Corona-Pandemie habe ihre Spuren hinterlassen, etwa wenn es um unterschiedliche Ansichten zum Impfen und Testen geht.

“Einer überwiegenden Zahl von geimpften Orchestermitgliedern steht eine kleinere Zahl von nicht geimpften gegenüber, was die tägliche Zusammenarbeit auf sehr engem Raum organisatorisch und zwischenmenschlich nicht einfach macht”, erklärt Mertens.

Gute Ansätze bei der Krankheitsprävention sieht Mertens etwa bei Bundesjugendorchester oder Junge Deutsche Philharmonie. Sie machten immer mehr Angebote wie Aufwärmen, Stretching sowie Techniken zur Konzentration und Entspannung. “Auch in der Ausbildung durch Musikschulen und Musikhochschulen bekommen diese Themen eine höhere Aufmerksamkeit.”

© dpa-infocom, dpa:211105-99-877715/4



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