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Affenpocken: Aidshilfe sieht keinen Grund zur Panik

Vernunft statt Angst: Die Aidshilfe spricht sich im Umgang mit Affenpocken gegen Stigmatisierung aus. Foto: Cynthia S. Goldsmith/CDC via AP/dpa
Vernunft statt Angst: Die Aidshilfe spricht sich im Umgang mit Affenpocken gegen Stigmatisierung aus. Foto: Cynthia S. Goldsmith/CDC via AP/dpa

Aus verschiedenen Ländern werden Affenpocken-Fälle gemeldet. Zu den Betroffenen gehören auch homosexuelle Männer. Die Deutsche Aidshilfe sieht keinen Grund für Ängste und mahnt zur Vernunft.

Angesichts der Fälle von Affenpocken in mehreren Ländern, die teils schwule Männer betreffen, warnt die Deutsche Aidshilfe vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung.

„Natürlich gibt es bei den Affenpocken oberflächliche Ähnlichkeiten zu HIV damals – es ist wieder eine Erkrankung aus Afrika, die auch schwule Männer betrifft. Aber in vielen anderen Punkten passt der Vergleich nicht“, sagte Aidshilfe-Sprecher Holger Wicht der Deutschen Presse-Agentur.

Ungewissheiten bei Einschätzung der Krankheitsschwere

Das Virus, das die Affenpocken auslöst, sei im Unterschied zu HIV in den 80er Jahren länger bekannt, zudem heile die Erkrankung von selbst aus. „Uns ist sehr wichtig, dass hier nicht Panik und unangemessene Ängste entstehen“, so Wicht.

Es gebe bei der Einschätzung der Krankheitsschwere aber auch noch Ungewissheiten: etwa wie gut Immungeschwächte – dazu können zum Beispiel auch langjährig unbehandelte HIV-Infizierte zählen – die Erkrankung verkraften.

Nach der Erfahrung mit HIV fürchte man die Stigmatisierung schwuler Männer und von Menschen aus Afrika, sagte Wicht. Er erinnerte auch an die Ausgrenzungen und Schuldzuweisungen zu Beginn der Corona-Pandemie, die sich gegen Menschen aus Asien richteten – und gegen Menschen, die als asiatisch wahrgenommen wurden.

Vernunft und Aufklärung statt Angst

Wicht betonte, man wolle das Thema ähnlich wie bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen mit Vernunft und Aufklärung statt Angst angehen.

Eine Ansprache und Information der Zielgruppe erfolge in Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut (RKI). Laut RKI gehören sexuelle Handlungen zu einem der möglichen Übertragungswege.

In den vergangen Tagen waren in mehreren westlichen Ländern einige Fälle der dort eigentlich sehr selten auftretenden Infektionskrankheit nachgewiesen worden. Der Charité-Infektiologe Leif Sander beschrieb die Affenpocken bei Twitter als weniger krankmachend als die Pocken, es sei aber „dennoch eine ernste und in Einzelfällen tödliche Erkrankung“.

Noch kein Fall in Deutschland

Nachweise der Affenpocken auch in Deutschland sind für den Mediziner Norbert Brockmeyer indes nur eine Frage der Zeit.

„Es würde mich wundern, wenn wir nicht in wenigen Tagen in Deutschland auch einige Infizierte finden“, sagte der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft der Deutschen Presse-Agentur. STI steht für sexuell übertragbare Infektionen.

Er gehe anhand der Vielzahl von Fällen anderswo davon aus, dass das Virus schon seit einer Weile unbemerkt im Umlauf war, sagte Brockmeyer: „Wer denkt heute schon noch an Pocken?“

Durch die gestiegene Aufmerksamkeit nach kürzlich erschienenen Meldungen ausgehend von Großbritannien sei nun mit einem neuen Infektionsbewusstsein und damit mit vermehrten Nachweisen zu rechnen.

© dpa-infocom, dpa:220520-99-361064/5


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