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Im Meistertrikot zur Tour: Politt weiter auf Erfolgskurs

Nils Politt hat sich den Titel bei der deutschen Straßenradmeisterschaft geholt. Foto: Bernd Thissen/dpa
Nils Politt hat sich den Titel bei der deutschen Straßenradmeisterschaft geholt. Foto: Bernd Thissen/dpa

Nils Politt ist für die Tour de France gerüstet. Der Kölner holt sich im Sauerland erstmals das Meistertrikot und kann innerhalb von zwölf Monaten auf eine stolze Erfolgsserie verweisen.

Winterberg (dpa) – Nils Politt stürmte mit kraftvollem Tritt den Kahlen Asten hinauf und ballte in 850 Metern Höhe die Fäuste. Der Kölner Radprofi fährt im Trikot des Deutschen Meisters zur Tour de France.

Politt holte sich bei den Titelkämpfen im Sauerland erstmals den Sieg und präsentierte sich damit fünf Tage vor dem Grand Depart in Kopenhagen in starker Verfassung. Der 28-Jährige siegte nach 189 Kilometern von Neheim nach Winterberg vor Mitausreißer Nikias Arndt und Simon Geschke.

„Am Freitag habe ich schon gemerkt, dass die Form pünktlich da ist. Wir mussten das Rennen schwer machen, das war für uns nicht ganz einfach“, sagte Politt und ergänzte: „Das Meistertrikot bedeutet mir sehr viel – es ist etwas sehr Besonderes und ich werde es genießen.“ Bereits bei seinem Heimrennen Rund um Köln im Mai hatte sich Politt gegen den Wahl-Kölner Arndt durchsetzen können. „Nils war heute eine gute Schippe stärker und hat verdient gewonnen“, sagte Arndt, der von seinem DSM-Team nicht für die Tour nominiert wurde.

Entwicklung zum Siegfahrer

Tour-de-France-Etappensieg, Gewinner der Deutschland Tour, Heimsieg bei Rund um Köln und nun erstmals nationaler Champion – aus Tempobolzer und Edelhelfer Politt ist innerhalb von zwölf Monaten ein Siegfahrer geworden. Der 28-Jährige tritt damit die Nachfolge seines Bora-hansgrohe-Teamkollegen Maximilian Schachmann an, der wegen eines positiven Corona-Tests passen musste und derzeit um seine Tour-Teilnahme bangt.

Im Rennen der Frauen sicherte sich zuvor zum zweiten Mal nach 2018 Liane Lippert den Titel. Die 24-Jährige aus Friedrichshafen setzte sich nach 122 Kilometern im Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe vor Ricarda Bauernfeind und Nadine Gill durch. „Ich habe mir selber Druck gemacht. Es war mental schwerer als 2018, als keiner mit mir gerechnet hatte“, fügte die Fahrerin des DSM-Teams an.

Das Männer-Rennen auf dem schweren Parcours mit rund 3000 Höhenmetern glich fast einem Ausscheidungsfahren. Politt und Arndt hatten sich in einer kleinen Gruppe früh vom Feld abgesetzt. Als es zur Sache ging, konnten aber auch die Mitausreißer Simon Geschke und Zeitfahrmeister Lennard Kämna das Tempo nicht mehr mitgehen. Fünf Kilometer vor dem Ziel zog dann Politt mit seinem kraftvollen Tritt alleine weiter.

Bora dominierte

Dabei hatte das Bora-Team mit seinen vielen Optionen jederzeit alles im Griff. Zum sechsten Mal seit dem ersten Titelgewinn durch Emanuel Buchmann im Jahr 2015 in Bensheim geht das deutsche Meistertrikot damit an die im oberbayrischen Raubling beheimatete Equipe. Lediglich 2016 (André Greipel) und 2020 (Marcel Meisen) stellte die Mannschaft von Team-Inhaber Ralph Denk nicht den nationalen Titelträger.

„Ich hatte am Ende nicht mehr die Beine, aber solange wir das Meistertrikot haben, ist alles gut“, sagte der nach seinem Sieg im Zeitfahren als Mitfavorit gehandelte Kämna. Mit vier Minuten Rückstand auf Politt erreichte der Giro-Etappensieger letztlich als Elfter das Ziel.

Für Politt geht es nun mit dem schwarz-rot-goldenen Brustring zur Tour. Sein Ticket für Kopenhagen hat der Kölner sicher, auch wenn die Bora-Mannschaft die Bekanntgabe ihres Aufgebots noch verschoben hat. Kämna, im Jahr 2020 Etappensieger bei der Frankreich-Rundfahrt, hofft indes noch auf sein Tour-Ticket. „Ich hoffe mal, dass es so kommt und ich dabei bin“, sagte er. Die 109. Frankreich-Rundfahrt startet am Freitag mit einem 13,2 Kilometer langen Einzelzeitfahren in der dänischen Hauptstadt.

© dpa-infocom, dpa:220626-99-807224/5


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