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Noch kein WM-Höhenrausch für Lita Baehre – aber im Finale

Bo Kanda Lita Baehre erreichte das WM-Finale im Stabhochsprung. Foto: Michael Kappeler/dpa
Bo Kanda Lita Baehre erreichte das WM-Finale im Stabhochsprung. Foto: Michael Kappeler/dpa

Die deutsche Leichtathletik hofft auf Schadensbegrenzung am WM-Ende. Dabei ruht die Hoffnung auf DLV-Assen wie Malaika Mihambo, Niklas Kaul, Julian Weber oder Bo Kanda Lita Baehre.

Der Stabhochsprung-Showman Bo Kanda Lita Baehre kam eher in sich gekehrt und unzufrieden aus dem Stadioninnenraum.

„Ich muss technisch noch genauer arbeiten. Mit 5,75 Metern kann ich vorne nicht mitmischen“, haderte der 23 Jahre alte WM-Vierte.

Für ihn war die Qualifikation für den Medaillenkampf bei der Leichtathletik-WM in Eugene in der Nacht zum Montag (2.25 Uhr MESZ/ARD) alles andere als ein Höhenrausch: „Mit dieser Leistung wird es schwer, eine gute Platzierung zu bekommen.“

Lita Baehre und Zernikel im WM-Finale

Der Leverkusener hatte die notwendigen 5,75 Meter als vorletzter Springer gerade noch so im dritten und letzten Versuch geschafft.

„Davon lasse ich mich aber nicht runterziehen und gehe nicht mit einer negativen Einstellung in das Finale“, sagte Lita Baehre, der wegen eines kräftigen Rückenwinds mehrmals die Stäbe wechseln musste und dies „als einen kleinen Krimi“ erlebte.

Dass er die notwendige Höhe mit dem Stab schaffte, mit dem er bei den deutschen Meisterschaften in Berlin mit 5,90 Metern eine Bestleistung aufstellte, bewies: Es war keine Frage des Materials.

Eine Frage guter Nerven war das Durchkommen auch für Oleg Zernikel. Der Olympia-Neunte aus Landau überquerte ebenfalls 5,75 Meter und freute sich, „auf den Punkt genau“ fit zu sein. „Ich habe gelernt, Ruhe zu bewahren“, sagte der Anhänger von Meditation.

Der Leverkusener Torben Blech scheiterte hingegen an der Anfangshöhe von 5,30 Metern. Weltrekordler Armand Duplantis fliegt nach Olympiasieg, EM- und Hallen-WM-Gold dem ersten Freiluft-Weltmeistertitel entgegen. Die Höhe von 5,75 Metern war für den schwedischen WM-Zweiten von 2019 und Serien-Sechs-Meter-Springer kein großes Hindernis.

Hürdenläuferin McLaughlin begeistert – USA stark

Nach dem die Höhenjäger das Hayward Field verlassen hatten, sorgte Sydney McLaughlin für einen atemberaubenden Höhepunkt über 400 Meter Hürden.

Die amerikanische Olympiasiegerin lief in 50,68 Sekunden einen weiteren Fabelweltrekord, der mit dem ersten WM-Titel für die erst 22-Jährige vergoldet wurde.

Ihre alte Bestzeit verbesserte McLaughlin um sagenhafte 0,73 Sekunden. Es war der erste Weltrekord bei dieser WM. „Es ist unwirklich“, sagte sie. Nach dem Lauf am Limit saß sie minutenlang fast reglos auf der Tartanbahn. „Ich wollte es einfach schaffen. Die letzten 100 Meter haben wirklich weh getan.“

Mit nun neun Titeln und 26 Medaillen ist Gastgeber USA klar die Nummer eins der WM. Die Fragen nach der Erfolgsmisere des deutschen WM-Teams und dem möglichen Mangel an Auftriebskraft für ihn nervten Lita Baehre.

„Ich habe gar nichts damit zu tun, wie die anderen abschneiden“, sagte Bo Kanda Lita Baehre ärgerlich und fügte an: „Ich finde es richtig traurig, dass darauf herumgehackt wird.“

Frauen-Staffel im Finale

Abseits des Stabhochsprungs gab es weiter mehr Tiefen als Höhen bei den deutschen Athleten. Die 4×100-Meter-Staffel der Frauen sprintete angeführt von Gina Lückenkemper zwar ins Finale der Nacht zum Sonntag (4.30 Uhr MESZ/ZDF).

Zwei Patzer beim Stabwechsel bremsten hingegen das Männer-Quartett, das mit 38,83 Sekunden zu wenig Tempo für den Endkampf-Einzug hatte – auch weil sie die ungünstige Bahn 1 mit den den engsten Kurven zugewiesen bekommen hatten. Nach dem Anfang Juni aufgestellten deutschen Rekord von 37,99 Sekunden hatte es sogar leise Hoffnung auf ein Vorpreschen in die Nähe der Medaillen gegeben.

Im Speerwurf-Finale kam die Potsdamerin Annika Marie Fuchs mit nur 56,46 Metern nicht über den zwölften und letzten Platz hinaus. Den WM-Titel holte sich wie schon 2019 Kelsey-Lee Barber aus Australien mit 66,91 Metern.

Über 800 Meter war Endstation im Halbfinale für Majtie Kolberg als Sechste in 2:01,36 Minuten und für Christina Hering als Achte in 2:01,57 Minuten. „Ich kann es grad gar nicht nachvollziehen, das hätte nicht passieren dürfen, dass mir alle wegrennen, denn es war auch nicht bombastisch schnell“, sagte Hering.

So blieb der Deutsche Leichtathletik-Verband auch am achten von zehn Wettkampftagen ohne Medaille und mit nur einer Top-Acht-Platzierung – und hofft nun auf ein versöhnliches WM-Finale dank einiger Asse. Ein großes Happy End dürfte es nach dem insgesamt nicht glorreichen Auftritten wie schon bei den Olympischen Spielen mit nur drei Medaillen nicht mehr werden.

„Der olympische Erfolg in Tokio war nicht gut und ist schon hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Insofern ist das sportliche Abschneiden bei der WM keine Überraschung“, erklärte Urs Granacher, Vorsitzender der Potenzialanalyse-Kommission. Die PotAS berechnet anhand vieler Kriterien die Potenziale von Spitzenverbänden und Sportarten.

© dpa-infocom, dpa:220723-99-126839/5


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