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Watzke: Borussia Dortmund gibt kein offizielles Saisonziel aus

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke möchte kein konkretes Saisonziel mehr formulieren. Foto: Bernd Thissen/dpa
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke möchte kein konkretes Saisonziel mehr formulieren. Foto: Bernd Thissen/dpa

Die vergangene Saison war Borussia Dortmund eine Lehre: Aus Verärgerung über die Medienschelte gibt der Meisterschaftszweite in diesem Sommer kein Saisonziel aus. Darüber hinaus verzichten die Profis auch über die Sommerpause hinaus weiter auf Teile ihres Gehalts.

Offensive Profis, defensive Bosse – der Meisterschaftszweite Borussia Dortmund gibt für die kommende Spielzeit kein offizielles Saisonziel aus.

Im Gegensatz zu einigen Spieler wie Abwehrchef Mats Hummels, der noch vor gut einer Woche einen neuerlichen Angriff auf Platz eins angekündigt hatte, äußerte sich Hans-Joachim Watzke zurückhaltender.

„Dieses Spielchen spielen wir nicht mehr mit. Wir werden offiziell kein Ziel mehr ausgeben – und das geschieht nicht, weil wir keines haben“, sagte der BVB-Geschäftsführer mit Verweis auf die seiner Meinung nach unfaire Berichterstattung in den Medien.

Jahrelang sei der Club dafür kritisiert worden, kein Meisterschaftsziel ausgegeben zu haben. „Nun hatten wir letztes Jahr das Gefühl, dass das bei zwei Punkten Rückstand mal angesagt war. Wir haben gesagt, wir werden alles versuchen, um deutscher Meister zu werden.“

Eine vollmundige Ankündigung, den Abo-Meister aus München abzulösen, sei das aber nicht gewesen. „Das hat man drei Wochen später eigenmächtig gelöscht. Dann hieß es nur noch, die wollen deutscher Meister werden. Um uns dann ab April zu kritisieren, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben“, kommentierte Watzke.

Der 61-Jährige nutzte die Gelegenheit rund um die Diskussion über das Saisonziel, um seinen Unmut über den öffentlichen Umgang mit den Profis von Borussia Dortmund zu bekunden, denen nach dem 0:4 im letzten Saisonspiel gegen Hoffenheim zum wiederholten Mal ein Mentalitätsproblem attestiert worden war.

„Bei aller berechtigten Kritik an diesem Auftritt haben wir das Gefühl, dass sich eine Hexenjagd auf unsere Mannschaft entwickelt. Wenn die Kritik dahin übergeht, dass wir von allen 18 Bundesliga-Mannschaften angeblich die schlechteste Mentalität haben, dann ist das so über das Ziel hinausgeschossen, dass es einem schon fast den Atem verschlägt. Es müsste ein Wunder sein, dass die Mannschaft mit der schlechtesten Mentalität Vizemeister wird“, klagte Watzke.

Gehaltsverzicht bis Dezember

Ein solcher Ruf sei zudem nur schwer mit der Bereitschaft der Profis zu vereinbaren, in der Corona-Krise weiter auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten. „Der Gehaltsverzicht von uns und der Mannschaft geht über das Saisonende hinaus. Wir verzichten bis zum 31. Dezember weiter“, verriet Watzke.

Das sei der anhaltenden Unsicherheit über den Verlauf der kommenden Saison geschuldet: „Die fehlenden Einnahmen sind dramatisch. Es geht ja nicht nur um die fehlenden Zuschauereinnahmen von rund vier Millionen Euro pro Spiel, sondern auch um weniger TV- und Vermarktungsgelder. Wir stehen vor einem gigantischen Berg von Risiken.“

Deshalb seien vorerst auch keine weiteren Transfers geplant – eventuell auch ein Grund für Borussia Dortmund, das Saisonziel defensiver zu formulieren. Zuletzt hatte der Dortmunder auch eine mögliche Landesbürgschaft für den in finanzieller Schieflage befindlichen Konkurrenten Schalke 04 verteidigt.

Ein Rückkehr von Zuschauern in die Stadien könnte zur Entspannung beitragen. Der für seine guten Kontakte zu führenden Politikern bekannte Watzke ist zuversichtlich, dass zum vermeintlichen Saisonstart im September zumindest wieder einige Fans zugelassen werden.

„Ich glaube, dass die Bereitschaft, darüber nachzudenken, vorhanden ist. Die Liga ist momentan dabei, die entsprechenden Konzepte zu erstellen und dann an die zuständigen Stellen zu versenden“, sagte Watzke. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte Spiele vor Zuschauern für die kommende Saison vor vier Wochen als „denkbar“ bezeichnet.

„Eine bundeseinheitliche Lösung“ wird es nach seiner Einschätzung jedoch nicht gehen: „Ich glaube nicht, dass man sagt, so viele Zuschauer dürfen pro zehn Quadratmeter ins Stadion. Wenn überhaupt, wird es eher einen anderen Rahmen geben. Innerhalb dieses Rahmens werden sich dann die lokalen Gesundheitsbehörden mit dem Verein auf ein Konzept verständigen. Was Sinn macht, weil jedes Stadion anders konzipiert ist.“

© dpa-infocom, dpa:200630-99-619857/3

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